Babys und Windeln - wie alles begann

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Heute möchte ich mit dir in die Geschichte der Windeln eintauchen.

Für die meisten bei uns gehören Windeln selbstverständlich zum Baby dazu. Aber das war nicht immer so.

Wie es zu Pampers und Co kam, erfährst du in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

Babys ohne Windeln?!

Seit je her müssen sich Menschen die Frage stellen, wie sie mit den Ausscheidungen ihrer Nachkommen verfahren sollen. Dabei gab es immer wieder Innovationen und neue Moden. Wie mit den Ausscheidungen umgegangen wurde, hing stets von verschiedenen Umweltbedingungen wie dem Klima und der Verfügbarkeit bestimmter Materialien sowie der Kultur ab.

unten ohne

Wahrscheinlich waren die meisten Kinder in der Vergangenheit ganz ohne Windel. Vor allem in den gemäßigten Klimazonen. Die Frauen hatten ein Gespür für die Ausscheidungen ihrer Kinder und hielten sie von sich weg, wenn sie ihre Notdurft verrichteten. Auch heute gibt es Kulturen, die das sehr erfolgreich praktizieren. Und auch wir können die Ausscheidungskommunikation neu entdecken.

eine Sache der Einstellung

Gleichzeitig wurde den kindlichen Ausscheidungen vermutlich viel entspannter begegnet. Dass eine Mutter mal nass gepinkelt wurde, sorgte wohl kaum für Aufregung. Auch Spannbettlaken und Matratzen, die verschmutzt werden könnten, gab es noch nicht.

erste Windeln

Dennoch gab es wahrscheinlich immer auch Strategien, um die Ausscheidungen aufzufangen. Teilweise wurden Blätter bestimmter Pflanzen, Heu, Stroh, Tierhäute, Felle und mit zunehmendem Fortschritt auch Textilien wie Wolle, Leinen, Baumwolle und Mischgewebe verwendet.

Pucktuch statt Windeln

In der Vergangenheit war auch das Pucken weit verbreitet. Pucken ist eine Wickeltechnik, bei der das gesamte Baby eingewickelt wird und keinerlei Bewegungsfreiheit mehr hat.

Stoffwindeln - die ersten richtigen Windeln

Stoffwindeln sind eine eher neue Erfindung. Das liegt daran, dass Stoffe lange Zeit teuer waren.

am Anfang war die Wolle

Die erste spinnbare Faser, die in großem Umfang zur Herstellung von Textilien verwendet wurde, war Wolle. In China und Ägypten kamen Wolltextilien bereits um 5000 vor Chr. zum Einsatz.

Leinen war sehr beliebt

Auch andere Fasern wie Leinenfasern (Flachsfasern) wurden schon früh verarbeitet. So war es im Mittelalter, wegen seiner Reißfestigkeit sehr beliebt und wurde neben Wolle zum wichtigsten Textil in Europa.

Baumwolle aus Übersee

Erst im 19. Jahrhundert eroberte die Baumwolle den Markt und verdrängte nach und nach Leinen und Schafwolle. Da Baumwolle nicht heimisch ist und nach Europa transportiert werden muss, war sie teuer.

die ersten Wollhöschen

Im 18. Jahrhundert kam eine neue Windeltechnik auf: Wollhöschen, die mit Stroh und Heu gefüllt wurden. Das ergab eine dichte, aber luftdurchlässige Windel mit dem Vorteil, dass Wolle nach dem Gebrauch nur gelüftet werden muss. Anschließend konnte sie wieder mit einer neuen Stroh-Heu-Schicht befüllt werden.

die ersten Stoffwindeln

Ende des 18. Jahrhunderts wurden dann die ersten Stoffwindeln eingesetzt. Das Windelpaket bestand aus drei Tüchern. Das erste Tuch sollte die Ausscheidungen auffangen. Das Mittlere war meist in Öl, Fett, Bienenwachs oder Harz getaucht, und sollte die Windel abdichten. Das äußere Tuch war dicker und häufig aus Wolle. Die Tücher wurden nach Gebrauch gewaschen oder ausgekocht.

Gummihosen als Nässeschutz

Mit fortschreitender Industrialisierung wurden Tücher aus Baumwolle immer günstiger. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie vermehrt als Windel genutzt. Darüber wurde nun eine Gummihose gezogen, um die
Kleidung trocken zu halten.

Windeln, nur was für Babys

Sobald die Kinder anfingen zu laufen, bekamen sie keine Windel mehr sondern trugen Kleiderschürzen, die unten offen waren. Sie wurden daher schneller trocken als heute.

Die Erfindung der Wegwerfwindel

Die Amerikanierin Marion Donova gilt als die Erfinderin der Wegwerfwindel. 1946 kam die Mutter auf die Idee, Windelüberhosen aus Duschvorhängen zu nähen. Daraufhin entwickelte sie die Idee weiter und verwendete schließlich Fallschirm-Nylon mit Druckknöpfen statt Sicherheitsnadeln. 1949 verkaufte sie ihre Erfindung erstmals in New York, wo sie auf begeisterte Mütter stieß. 1951 patentierte sie ihre Windel und versuchte sich nun an einer Wegwerfwindel aus Papier. Leider fand sie keine Fabrik, die ihr Produkt herstellen wollte.

die ersten kommerziellen Wegwerfwindeln

Die erste kommerzielle Wegwerfwindel brachte ein Unternehmen namens Chux heraus.1961 kam dann die erste Pampers auf den Markt. In Deutschland erschien sie jedoch erst im Herbst 1973. Ihr Erfinder Victor Mills war Chemieingenieur bei Procter & Gamble.

das steckt drin

Die neue Windel hatte eine Außenhülle aus Polyethylen und einen Saugkörper aus Zellstoffmaterial. Heute enthält der Saugkern Superabsorber, ein Hydrogel durch das sie ein Vielfaches an Flüssigkeit binden können, sodass bei Druck nichts abgegeben wird. Um sie abzudichten ist die Windel mit einer Kunststofffolie beschichtet. Um Windelausschlag vorzubeugen sind häufig noch andere Bestandteile enthalten wie Vaseline, Stearylalkohol, dünnflüssige Paraffine und Aloe barbadensis Extrakte.

Werbung für die Windel

Mit gezielten Kampagnen wurden die Vorzüge der neuen Windel angepriesen. Die Wirtschaft boomte und die Menschen waren fortschrittsgläubig und begrüßten die neue Erfindung freudig. Negative Auswirkungen auf die Gesundheit oder die Umwelt waren hingegen kein Thema.

die Ablösung der Stoffwindel

In Westdeutschland verschwand die Stoffwindel fast ganz aus den Kinderzimmern. In Ostdeutschland hingegen war die neue Erfindung aus Amerika schwer zu bekommen und zudem teuer. Daher wurde hier bis zur Wende hauptsächlich mit Stoff gewickelt. Nach dem Fall der Mauer stiegen dann auch die meisten ostdeutschen Mütter auf Einwegwindeln um.

Windelausschlag - eine neue Erscheinung

Windelausschlag wird dadurch begünstigt, dass das Plastikhöschen nicht nur wasserdicht, sondern auch luftundurchlässig ist. So können Urinsäure und Ammoniak aus den Ausscheidungen nicht entweichen. Das feuchtwarme Klima im Innern der Windel kann zusammen mit der darin entstehenden Säure der ideale Nährboden für verschiedene Infektionen sein.

Urin ist nicht der Übeltäter

Für den Windelausschlag wurde lange Zeit der Urin verantwortlich gemacht.  Das hat so weit geführt, dass er als krankmachende «eklige Brühe» in Verruf geriet. Die Unternehmen bewarben daraufhin Windeln, die den Po schön trocken halten. Doch die Nässe allein ist nicht schuld an den Entzündungen. Urin wirkt sogar desinfizierend und fördert die Heilung von Wunden. Nicht um sonst ist Harnstoff in vielen Kosmetika und Heilmitteln enthalten.

ein Zusammenspiel ungünstiger Faktoren

Windelausschlag wird durch das Zusammenspiel ungünstiger Faktoren wie Nässe, Luft- und Wärmestau und dauerhafter Kontakt mit den Ausscheidungen begünstigt. Außerdem kann es zu Reaktionen auf Inhaltsstoffe der Windel kommen.

wunder Po und Babysein

Mittlerweile haben sich Eltern fast schon daran gewöhnt, dass ein roter Hintern zum Babysein dazugehört. Rund um den wunden Po ist eine breite Produktpalette aus Puder, Cremes und Salben entstanden, die Linderung schaffen sollen und von Eltern haufenweise gekauft wird.

 

Die Windel heute

In letzter Zeit erleben die Stoffwindeln eine Renaissance. Während sie nach Einführung der Wegwerfwindel als stinkend und unhygienisch abgestempelt wurde, steht nun zunehmend die Einwegwindel wegen der hohen Umweltbelastung in der Kritik.

moderne Stoffwindeln

In Deutschland greifen daher wieder mehr Eltern zu Stoffwindeln. Diese wurden mittlerweile weiterentwickelt und es gibt nun eine ganze Produktpalette auf dem Markt darunter Windelsysteme, die sogar mitwachsen. Wenn du dich für Stoffwindeln interessierst stöber doch mal durch meinen ultimativen Stoffwindel-Guide oder lass dich von mir beraten, wie du deine Wickelroutine nachhaltiger gestalten kannst.

Ökowindeln

Im Bereich der Wegwerfwindel wird nun nach ökologischeren und nachhaltigeren Alternativen geforscht. Stand 2021 gibt es aber noch keine Ökowindel die vollständig biologisch abbaubar wäre.

Mehr zum Thema findest du unter der Rubrik Ausscheidungskommunikation.

Genauso interessant wie die Geschichte der Windel ist die Geschichte des Stillens. Hier erfährst du, wo viele unserer Stillschwierigkeiten ihren Ursprung haben.

Wie sind deine Erfahrungen mit Windeln? Hattet ihr Probleme mit Windelausschlag? Teile deine Erfahrung mit uns in den Kommentaren!

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